Neue Kommunikation: Verlust des Zwischenmenschlichen

Der Blogger Gerhard Mersmann versucht, die schöne neue Welt der totalen Kommunikation als gesellschaftsfeindliches Konstrukt zu entlarven. Die Menschen verlieren die Fähigkeit zum spontanen zwischenmenschlichen Diskurs, schreibt er. Ganz falsch liegt er nicht.

„Die Lobpreisungen über die neuen Möglichkeiten, die die weltumspannende Kommunikation mit sich gebracht hat, unterschlagen einen Verlust, der gravierend und nachhaltig ist“, schreibt Mersmann.

„Es handelt sich um das Verschwinden des spontanen zwischenmenschlichen Diskurses.“ Mersmann nutzt das Beispiel des Reisens und nennt Gründe, die trotz ihrer Einfachheit fundamentale Auswirkungen auf das Zwischenmenschliche haben.

„Die Welt ist erfasst“, schreibt er unter der Headline „Das große Schweigen im Raum der vergeblichen Schritte“. „Es existieren kaum noch Gebiete, die noch nicht von Menschen besucht worden sind und die nicht entsprechend dokumentiert wurden.“ Außerdem sei die Welt standardisiert unter anderem durch Währungsunion, die Normierung von Lebensmitteln, der Uniformität von Unterkünften und der einheitlichen Transportmittel. Dagegen sei das Exotische, das Abenteuer, eine Erscheinung der „Pannen oder Pleiten“, die über ein „gut funktionierendes Beschwerdesystem schnellstens eliminiert werden“.

Das Ende des Zwischenmenschlichen

Eine pessimistische Wahrnehmung des Homo digitalis treibt den Autor an, wenn er schreibt, dass sich „das Denken derer, die unterwegs sind“, geändert habe. Sie streben nach dem perfekten Ablauf, aber nicht nach Überraschungen. Als gravierendste Veränderung erkennt Mersmann das fehlende Gespräch der Menschen, die durch die Welt reisen. Sie schweigen sich laut an. „Die Kommunikation mit Fremden ist erloschen“, schreibt Mersmann in seinem Blog.

Am Ende trifft man sich am Bahnhof und hat sich nichts zu erzählen. „Dort sitzen sie, schweigen, und starren auf ihre Displays. Vorbei sind die Zeiten, in denen Bekanntschaften geschlossen wurden mit supercoolen Moskowitern, …“

Mersmanns Analyse ist bitter, aber nicht unbegründet. Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und das Interesse an anderen Menschen wird abgelöst durch die ständige Beschäftigung via iPhone und Laptop, und die spürbar ausufernde Selbstdarstellung im Netz.

Der Beitrag von Gerhard Mersmann ist ein Muss für jeden, der trotz aller Begeisterung für die Errungenschaften der Technik nicht vergessen hat, dass das Menschsein erst durch das Zwischenmenschliche entsteht.

Foto: Clem Onojeghuo (pexels.com); CC0 Lizenz.

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